Hl. Grab

In unserer Klosterkirche steht von Palmsonntag bis zum Barmherzigkeitssonntag das größte noch erhaltene Heilige Grab Tirols. Es wurde am Mittwoch der Karwoche 1764 zum ersten Mal aufgerichtet. Die Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens hatte dazu 200 Gulden gestiftet, was aber nicht ausreichte, sodass das Kloster noch eine „nicht so kleine Summe“ beisteuern musste. Der hohe, weite gotische Chorschluss ist vollkommen ausgefüllt mit einem mehrstöckigen Gebäude (die bemalte Fläche beträgt etwa 160 Quadratmeter), einem riesigen Aufgebot von Säulen, Ornamenten,, Blumengirlanden,Figuren und Kartuschen. Und doch ist die architektonische Grundform verhältnismäßig streng.

Der Betrachter, zunächst verblüfft vom Aufwand und wohl auch von der Brillanz solcher Darbietung, hätte gewiss Mühe, sich in der Ikonologie (Bildsprache) zurechtfinden, kämen ihm nicht die deutschen Bibeltexte, auch sie in ungewöhnlicher Fülle, zur Hilfe.

Helena mit dem Kreuz

Auf der Kartusche über dem Hauptbogen ist das Thema angegeben: „Darum ist Er ein Mittler des neuen Testaments“. Das „Darum“ bezieht sich auf das Kreuz, das uns von Helena, zuoberst imPavillon, gezeigt wird. Zwei kniende Engel mit Leidenswerkzeugen assistieren ihr.

Ecclesia und Synagoge

Rechts und Links von Helena mit dem Kreuz, beziehungsweise auf den Kolossalsäulen, stehen die Allegorien des Alten und des Neuen Testaments; ihre Attribute, weiter seitlich, sind fast deutlicher: Der ausgebrannte siebenarmige Leuchter und die umgestürzte Bundeslade gegenüber dem Messkelch mit Buch, Altarleuchtern, Rauchfass und Lavabokanne.

Hoher Priester und die vier Weltteile

Darunter fliehen im rechten Seitenschiff ein Hoher Priester und zwei Schriftgelehrte, während auf der anderen Seite die vier Weltteile das aus den Erdball wachsende Kreuz verehren.

Hoher Priester und die vier Weltteile
Johannes der Täufer
Moses

Johannes der Täufer, Moses und die Dreifaltigkeit

Im mittleren Raum verkörpern Moses und Johannes der Täufer Gesetz und Gnade, während der versöhnte Gottvater, umgeben von Engeln, aus der Kuppel herabschwebt. Im nächsten Gewölbe erscheint der Heilige Geist, im dritten die Gloriedes Namen Jesu; damit ist die Trinität auch im außerirdischen Begriff vollständig.

Lamm mit den apokalyptischen Wesen

Am Ende dieses durch die Perspektive sehr lang wirkenden Mittelschiffstragen die viel apokalyptischen Wesen, ganz in Gold, das geopferte Lamm, darüberaber werden all die Bilder und Gleichnisse Wirklichkeit: In einer von Engelsköpfchen und bunten Glaskugeln umkränzten Wolkenöffnung erstrahlt das Altarsakrament, das neue, reine Opfer, als Zentrum in jeder Hinsicht. Zu Ostern schwebt an der Stelle des Altarsakraments der Auferstandene.

Herz-Mariä-Brunnen und Herz-Jesu-Brunnen

Das Sockelgeschoss birgt in den Nischen ganz außen, nochmals das Garten-Thema aufnehmend, zwei zierliche Tropfsteinbrunnen mit Delphinen, Putti und den Herzen Jesu und Mariä, also Gnadenbrunnen, wovon namentlich der zweite mit den Sieben Schwertern und einem Vers aus dem Stabat Mater an die sieben-Schmerzen-Bruderschaft erinnert, in deren Auftrag das Heilige Grab geschaffen wurde.

Jesaja und Ezechiel

Die beiden haben das Leiden des Erlösers und die Auferstehung der Toten voraussehenden Propheten Jesaja und Ezechiel aber bilden gedanklich wie kompositionell das Fundament des riesigen Gebäudes.

Als theologischer Berater Mayers gilt in der Klosterüberlieferung P. Cyrill Oberberger aus Hall. Er war Professor des ordenseigenen Seminars in Schwaz und nebenbei selbst als Maler tätig.