In der Schweiz ist eine neue Einrichtung zur Bewahrung des franziskanischen Erbes entstanden: Am Samstag, 29. November 2025, wurde in der Sakristei der Kapuzinerkirche Stans (Kanton Nidwalden, NW) die Stiftung „Pro Helvetia Franciscana“ gegründet.
Auf dem Gebiet der Eidgenossenschaft leben und wirken seit Jahrhunderten Schwestern und Brüder vieler verschiedener franziskanischer Orden. Die bekanntesten davon sind der Franziskaner- und der Kapuzinerorden, die Konventualen, die Klarissen, die Kapuzinerinnen sowie die im 19. Jahrhundert gegründeten Frauenkongregationen der Baldegger-, Ingenbohler- und Menzingerschwestern. Nicht zu vergessen sind die vielen Ortsgruppen des dritten säkularen Ordens, heute bekannt als franziskanische Gemeinschaft. In vielen Fällen haben die Klöster und Niederlassungen das jeweilige Stadt- oder Ortsbild geprägt.
Wegen des Rückgangs von Ordensberufungen werden zunehmend Klöster aufgelassen und Gemeinschaften umstrukturiert. Das betrifft auch die Schweizer Ordensprovinz der Kapuziner, welche noch in den 1960er Jahren die zahlenmäßig größte Kapuzinerprovinz in Europa gewesen war.
Wissenschaftliche Zeitschrift
Einer der großen Verdienste der Schweizer Kapuziner war die Herausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift „Helvetia Franciscana“, in welcher Beiträge zur Geschichte der Schwestern und Brüder des heiligen Franz und der heiligen Clara in der Schweiz auf hohem akademischen Niveau und in drei Sprachen beleuchtet und dokumentiert wurden. Die Kapuzinerprovinz gibt mit 1. Jänner 2026 die Trägerschaft dieser Zeitschrift an die neu gegründete Stiftung ab. Gleichzeitig fungiert sie als Stifterin von „Pro Helvetia Franciscana“. „Wir Kapuziner sind glücklich und froh, mit dieser Stiftung den Erhalt und Fortbestand des reichen franziskanischen Erbes in der Schweiz garantieren zu können“, so Br. Benno Zünd ofmCap, der seit Juni 2025 der Schweizer Kapuziner als Provinzial vorsteht und somit die Stifterin, die Schweizer Kapuzinerprovinz, bei der notariellen Beglaubigung vertritt.
Künftig auch Stipendien
Im Bewusstsein, dass das franziskanische Erbe auch in der Schweiz mehr als einen Orden umfasst, beteiligen sich etliche andere Gemeinschaften an der finanziellen Ausstattung und an der Arbeit der Stiftung. „Diese Stiftung ist wirklich ein Projekt der ganzen franziskanischen Ordensfamilie in der Schweiz“, sagt der Franziskaner Br. Johannes M. Pfister ofm, der seit Samstag als Präsident der „Pro Helvetia Franciscana“ vorsteht. Erste Aufgabe sei es nun, der Zeitschrift ein breites Publikum und den Autoren ein solides Medium der Forschung zu bieten. Dazu werde es ein gutes Finanz-Polster brauchen, um zukunftsfähig sein zu können und außerdem sei eine noch stärkere Vernetzung mit dem geisteswissenschaftlichen Betrieb wünschenswert, meint Br. Johannes Maria, der selbst derzeit auch in Chur im Fach Liturgiewissenschaft promoviert.
Eifrig sammelt die Stiftung Spenden, um in Zukunft neben der Herausgabe der Zeitschrift auch Stipendien an Forscher und Beiträge zum Unterstützung der franziskanischen Kulturgüter vergeben zu können. Der Beitrag, den Ordensschulen in der Schweiz zur Bildungsoffensive geleistet haben, könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, sagt Br. Johannes Maria: „Allein wenn wir an die Frauenkongregationen der Baldegger-, Ingenbohler- und Menzingerschwestern denken, können wir feststellen, dass die franziskanischen Ordensleute im 19. Jahrhundert spürbar die Bildung der sozial schwächeren Bevölkerungsschichten überhaupt erst möglich gemacht haben. Dieses Erbe gilt es zu bewahren und noch mehr ans Tageslicht zu holen.“
Prominente Unterstützer
Die Gründung der Stiftung erfährt auch prominente Unterstützung: So wird sie u.a. vom ehemaligen Generalminister des Kapuzinerordens, Br. Mauro Jöhri ofmCap, und dem Diözesanbischof von Chur, Joseph Maria Bonnemain, ausdrücklich empfohlen. Wer mehr erfahren oder vielleicht sogar unterstützen möchte, kann direkt mit der Stiftung Kontakt aufnehmen: johannes.pfister@franziskaner.ch
(Red./mtz)

von links: Christian Schweizer (Schriftleiter Helvetia Franciscana) und der neu bestellte Stiftungsrat von „Pro Helvetia Franciscana“: Marian Lukas Ureutz (Beisitz), Sissi Mettier-Mangholz (Vizepräsidentin), Johannes Maria Pfister ofm (Präsident), Nadia Bühlmann (Aktuariat) und Marcus Schorm (Finanzen). Foto: ofm.ch
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