Reisebericht aus dem Senegal

Ein intensiver Auftakt

Der erste Tag im Senegal führte die Gruppe mit Abdou und Babakar nach Dakar, einer Stadt, die mit ihrem lebendigen Straßenbild und dem ruhigen, bewussten Schritttempo der Menschen sofort einen eigenen Rhythmus vermittelt.

Der Besuch eines bedeutenden Museums bot einen eindrucksvollen Einblick in die frühen afrikanischen Kulturen, in das traditionelle religiöse Leben sowie in die Vielfalt der ethnischen Gruppen des Landes. Anschließend ging es weiter zur Insel Gorée, einem zentralen Erinnerungsort der transatlantischen Sklaverei.

Das „Maison des Esclaves“ mit seinen engen Zellen und der „Tür ohne Wiederkehr“ machte das unermessliche Leid vieler Menschen spürbar. Eine historische Dimension erhielt der Besuch durch den Hinweis auf Papst Johannes Paul II., der 1992 auf Gorée eine eindringliche Vergebungsbitte aussprach und die Verbindung von Christen zum Sklavenhandel in Demut benannte, wodurch die Insel zu einem Ort der Versöhnung wurde.

In Dakar steht zudem ein großes Denkmal, an dem zahlreiche afrikanische Länder mitwirkten. Das Monument der Afrikanischen Renaissance steht sinnbildlich für die Würde und die Erneuerung des Kontinents.

Nach diesen intensiven Eindrücken aus Geschichte, Kultur und spirituellem Erbe führte der Weg weiter zum nächsten Stopp der Reise, dem Benediktinerkloster Keur Moussa, einem Ort, an dem christliche Tradition in einzigartiger Weise mit westafrikanischer Kultur und musikalischem Ausdruck verschmilzt.

Vom Maßkleid zur Kora

Am letzten Abend konnte die Vertreterin der österreichischen Delegation in Dakar ein maßgeschneidertes Kleid in Empfang nehmen. Die Begegnung mit dem Schneider, der das Kleid in traditioneller Handarbeit gefertigt hatte, bot einen eindrucksvollen Einblick in die lokale Kunstfertigkeit und Gastfreundschaft.

Der dritte Tag im Senegal begann ungewöhnlich windig, als die Fahrt Richtung Keur Moussa aufbrach. Die Benediktinerabtei liegt mehrere Dutzend Kilometer außerhalb von Dakar, eingebettet in eine weite, ruhige Landschaft, die schon auf dem Weg dorthin spürbar Abstand vom Trubel der Hauptstadt schafft.

Das Kloster, 1963 von Mönchen der Abtei Solesmes gegründet, ist heute ein bedeutender Ort benediktinischen Lebens in Westafrika. Die Gemeinschaft verbindet traditionelle Elemente des Ordens mit lokalen Ausdrucksformen. Besonders prägend ist die Musik: Die in Keur Moussa gebaute Kora – ein westafrikanisches Saiteninstrument – wird in den Gebeten gespielt und verleiht den liturgischen Feiern einen einzigartigen Klang.

Während des Besuchs kam es zu einem lange erwarteten Wiedersehen zwischen Abt Olivier-Marie, Pater Thomas und Pater Emmanuel-Maria. Nach vielen Jahren einander wiederzubegegnen, erfüllte alle sichtbar mit Freude. Die Gruppe nahm an der Vesper teil und feierte am frühen Morgen die Heilige Messe in der Klosterkirche mit. Danach ging es nach einer kurzen Nacht weiter zum nächsten Stopp: zum Salzee.

Zwischen Salzbergen und kolonialem Erbe

Am vierten Tag erreichte die Gruppe aus Villach den berühmten Rosa See – den Lac Rose. Dort gewinnen Menschen mit schwerster Handarbeit Salz: Männer waten in dem stark salzhaltigen Wasser und sammeln Salz mit geflochtenen Körben vom Grund, während Frauen das Salz am Ufer zu kegelförmigen Haufen aufschichten und in der Sonne trocknen lassen.

 

Trotz windigen und recht kühlen Wetters verbrachte die Gruppe die Nacht direkt am See — ein eindrucksvolles Erlebnis zwischen Salzbergen und der Natur rund um den Lac Rose.

Am nächsten Tag ging es weiter in den Norden nach Saint-Louis. Diese Stadt am Mündungsgebiet des Flusses Senegal war einst Hauptstadt der französischen Kolonie und gilt heute — besonders der historische Stadtkern auf der Insel — als Schmuckstück kolonialer Architektur.
Zugleich bieten Flusslandschaft und Meeresnähe eine ganz eigene Atmosphäre.

Auf dem Weg von Lac Rose nach Saint-Louis begleiteten die Gruppe immer wieder sichtbare Zeichen von Armut und ein ernstes Müllproblem — überall liegen Abfälle, und vielerorts sind die Lebensbedingungen deutlich rauer, als man es als Tourist vielleicht erwartet.

Doch diese schwierigen Umstände wurden kontrastiert durch unvergessliche Momente der Menschlichkeit: Trotz harter Lebensrealität begegneten sie auf ihren Etappen immer wieder Menschen, die mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft reagierten — etwa indem sie etwas teilten oder neugierig und freundlich ins Gespräch kamen.

Die Kontraste – von der harten, körperlichen Arbeit am Salzsee über die Schönheit der historischen Inselstadt bis zur Armut und dem Müll auf dem Landweg – machen deutlich, wie komplex und vielfältig das tägliche Leben im Senegal ist. Gleichzeitig zeigen sie, wie stark menschliche Wärme und Gastfreundschaft sind — gerade in einem Umfeld, das oft wenig Raum lässt für Komfort und Glanz.

Naturerlebnis im Nationalpark

Von Saint-Louis aus machte sich die Gruppe aus Villach zum Abschluss ihrer Reise auf den Weg in den Parc National Djoudj, eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Westafrikas. Das Schutzgebiet liegt rund 60 km nordöstlich der Stadt im Senegal-Delta und umfasst etwa 16.000 Hektar.

Der Park ist ein zentraler Rast- und Brutplatz für Zugvögel: Hier finden jährlich bis zu 1,5 Millionen Tiere einen wichtigen Rückzugsort. Insgesamt sind rund 365 Arten verzeichnet. Besonders beeindruckend zeigte sich die große Pelikankolonie, die zu den bekannten Naturphänomenen des Parks zählt.

Neben der Vogelwelt leben im Djoudj auch Krokodile, Warane sowie verschiedene Säugetiere. Seen, Sümpfe und saisonale Savannen prägen das vielfältige Landschaftsbild.

Zurück in Saint-Louis verabschiedete sich die Gruppe mit einer kurzen Kutschenfahrt durch die historische Stadt und erhielt dabei noch einmal einen unmittelbaren Eindruck vom Alltag der Menschen vor Ort. Anschließend führte die Reise weiter nach Dakar und von dort zurück nach Österreich.

Mit vielen Eindrücken aus dem westafrikanischen Land trat die Gruppe die Heimreise an – dankbar für die erlebten Begegnungen und Erfahrungen. Die Vorfreude auf österreichische Küche und einen guten Kaffee war jedoch ebenfalls bereits spürbar.

Bericht, Foto und Clips: emf

 

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