Wir feiern weltweit am Vorabend des 4. Oktobers den Transitus – sie erinnert sich an das Sterben, den Übergang, des Heiligen Franziskus. Im Jahr 1226 ließ er sich in die kleine Kapelle Porziunkula vor den Toren Assisis bringen, an einen seiner Lieblingsorte, um „sorella morte“ – „Schwester Tod“ – zu erwarten. Der Tod führt uns wie ein Bruder, wie eine Schwester durch das Sterben hindurch, hinein in ein neues, ewiges Leben. So besingt es Franziskus im Sonnengesang.
Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod;
kein lebender Mensch kann ihm entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig, die er finden wird in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.
Laut den biografischen Angaben haben sowohl Franz als auch Klara diesen Durchgang zu Gott bewusst gestaltet. Franziskus legte sich nackt auf die bloße Erde. Alles fiel von ihm ab, es blieb nur der vom Leben geprägte Körper. Nicht zum ersten Mal war Franziskus da nackt. Er war es bei seiner Geburt, und wieder, als er seine Kleider an Pietro Bernardone zurückgab. Nicht in festlicher Kleidung wagt Franziskus diesen allerletzten Durchgang, sondern nackt – sinnbildlich könnte diese Nacktheit auch so gedeutet werden, dass vor Gott alles offenbar werden darf, die ganze, nackte Wahrheit. Und wie auf der Kreuzikone von San Damiano geschrieben, dürfen wir auf Gottes liebende Umarmung hoffen.




