
Das imposante Werk von Johann Capristan Silbernagl in Schwaz. Die Lagerstützräder sind teils nicht am Platz.
Bruder Johann Capristan Silbernagl wurde 1751 nach Schwaz versetzt, wo er 1736 schon das neue Zifferblatt im Fronbogen der Franziskanerkirche angebracht hatte. Der Auftrag des 52jährigen war es, eine neue Uhr anzufertigen. Die sechs Zentner Eisen dafür kamen wie bereits erwähnt von der Familie Fieger, die schon 1507 den Grund für das neue Franziskanerkloster gestiftet hatte.
Der Franziskanerbruder schuf laut Klosterchronik das „horologium elegantissime et artificiosissime“ mit Hilfe von Michael Jeger in zwei Jahren, es hat sich bis heute erhalten. Im originalen Uhrkasten ist noch ein Eintrag des Tischlers von 1752 vorhanden.
Erst in den letzten Jahren wurde der Betrieb der fünf Zifferblätter im Kloster, im Fronbogen der Kirche und im Refektorium elektrifiziert. Die Schlagwellen zum zweiten Schellenpaar im Refektorium wurden schon in den 1960er Jahren beseitigt, das Schellenpaar neben dem Uhrwerk im Konvent läuft jetzt elektrisch.
„Meine Kinder, die letzte Stunde ist da.“ Mit diesem Zitat aus dem 1. Johannesbrief des Neuen Testaments (2, 18) ist eines der Innenzifferblätter im Kloster Schwaz versehen.
„Certa sed ignota“
„Mors certa, hora incerta“
lautet eine Aufschrift auf vielen Uhren. Im Refektorium unseres Klosters ist diese Feststellung, die sich u. a. auf der Leipziger Rathausuhr und auch auf vielen Gräbern findet, noch weiter verkürzt, auf „Certa sed ignota.“
Br. Johann Capristan Silbernagl starb 1755 mit 56 Jahren nach einem umfangreichen, kunstsinnigen, kreativen und für die Uhrenlandschaft Tirols äußerst ergiebigen Schaffen: Der Franziskanerbruder schuf spätbarocke Kulturgüter ganz besonderer Art und Qualität. Sein Werk ist ein Beleg dafür, Tirol auch im 18. Jahrhundert als ein Kernland der Großuhrmacherkunst zu sehen.
In den 270 Jahren seit seinem Heimgang ging viel von seinem umfangreichen Werk verloren: Geringe Wertschätzung, bauliche Maßnahmen, Brände und sogar kriegerische Auseinandersetzungen trugen dazu bei, sein Werk stark zu reduzieren.
P. Florentin Nothegger, der auch Br. Johann Capristan Silbernagl in seinem Aufsatz über kunstfertige Mitglieder der Tiroler Franziskanerprovinz im 17. und 18. Jahrhundert gewürdigt hat, meinte: „Es wäre zu wünschen, daß jemand die Werke dieses Meisters, von denen ja noch manche existieren, nach der technischen Seite beschreiben und würdigen könnte.“
Eines der drei Zifferblätter, die im Schwazer Konvent die Uhrzeit anzeigen – mit der alten Zeigerstellung und einem mahnenden Schriftzitat: „Filioli, novissima hora est.“


Das Zifferblatt der Silbernagl-Konventuhr 1753 im Refektorium des Franziskanerklosters Schwaz mit der Schallöffnung darüber: Die dort befindlichen Schlagschellen wurden schon in den 1960er Jahren deaktiviert.

