Im Rahmen des Jubiläumsjahres 800 Jahre Franziskus sprach am Dienstag, 24. März 2026, P. Willibald Hopfgartner OFM vom Franziskanerkloster Graz in Salzburg über das Thema „Die Armut und die Schönheit. Mit Franz von Assisi an den Wurzeln der Kultur – mit einem Seitenblick auf den Ursprung der Festspiele“. Der Vortrag war der zweite Beitrag einer Reihe an der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg und nahm zentrale Aspekte der franziskanischen Spiritualität in den Blick.

Im Zentrum stand Franz von Assisi als eine Gestalt, die mit ihrem Lebenszeugnis wie kaum eine andere auf die Wirklichkeit der Armen hingewiesen hat. Zugleich zeigte der Vortrag, wie Franziskus durch seine neue Wahrnehmung der Schönheit der Natur auch die Kultur der Menschen geprägt hat. Wo andernorts Mauern errichtet wurden, um Privilegien zu schützen und Arme fernzuhalten, trat Franziskus als Mensch der Begegnung und des achtsamen Umgangs auf.

P. Willibald Hopfgartner ofm bei seinem Vortrag im Franziskanerkloster Salzburg. Foto: OFM Austria

Die Schönheit der Schöpfung wurde bei Franziskus nicht nur ästhetisch verstanden, sondern als Ausdruck der Liebe Gottes. In diesem Zusammenhang wurde auch der Sonnengesang als bis heute bewegendes Sprach- und Glaubenszeugnis hervorgehoben. Franziskus selbst spricht von Gott als der Schönheit – ein Gedanke, der seine Spiritualität ebenso prägt wie sein Verhältnis zur Welt.

Seitenblick auf Hugo von Hofmannsthal und die Salzburger Festspiele

Ein besonderer Akzent des Vortrags ergab sich aus einem Bild aus dem Franziskanerkloster Maria Enzersdorf. Es zeigt den aufgebahrten Dichter Hugo von Hofmannsthal im Franziskaner-Habit und wurde zum Anlass, auf franziskanische Spuren im Werk des Mitbegründers der Salzburger Festspiele hinzuweisen. Hofmannsthal war zuletzt Mitglied des Dritten Ordens des heiligen Franziskus und hatte sich für seine Beisetzung die Bekleidung mit dem Habit gewünscht.

Von dort führte der Bogen zum Jedermann, der seit 1920 untrennbar mit den Salzburger Festspielen verbunden ist. Im Vortrag wurde das Werk auch als kulturelles Zeichen gelesen, das eine grundlegende Frage offenhält: Nicht Reichtum und Luxus, sondern der Umgang mit den Armen ist das eigentliche Kriterium der Kultur. So verband der Abend franziskanische Spiritualität, gesellschaftliche Verantwortung und kulturgeschichtliche Perspektiven auf eindrucksvolle Weise.

800 Jahre Franz von Assisi

Die Franziskaner in Österreich und Südtirol laden ab Ende Mai zu einer Ausstellung mit 104 Exponaten zu Franz von Assisi ins Salzburger DomQuartier. Anlässlich des 800. Todestages des heiligen Franz von Assisi setzt Salzburg weitere Akzente: Das DomQuartier mit der Sonderausstellung, die Salzburger Festspiele mit der Aufführung von Olivier Messiaens „Saint François d’Assise“ und die Theologische Fakultät der Universität Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Franziskanerkloster mit einer internationalen Vortragsreihe im Sommersemester 2026.