Vor einem Jahr, am Vierten Fastensonntag 2024 (22. Dezember), hat Erzbischof Franz Lackner in der Franziskanerkirche Salzburg die neue Statue am Altar des heiligen Engelbert Kolland eingesegnet und dabei auch eine sogenannte „Prayerbox“ ihrer Bestimmung übergeben. Seither sind den Brüdern gezählte 2018 Gebetsanliegen übergeben worden.

Am Beginn der linken Seite im Gotischen Hallenchor der Kirche befindet sich in einem Nebenraum die „Fatima-Kapelle zum hl. Engelbert Kolland“, in der sowohl die Muttergottes verehrt als auch der 2024 heiliggesprochene Franziskaner aus dem Zillertal angerufen wird. Gläubige haben die Möglichkeit, ihre Anliegen der Fürsprache der Muttergottes und des heiligen Engelbert Kolland anzuvertrauen. Das Ergebnis ist ein Erfolg: Gezählte 2018 Gebets-Kärtchen hat die “Prayerbox” über das Jahr hindurch gesammelt, teilt Moritz Windegger ofm in seinem Newsletter nun mit. Das zeigt, dass viele Menschen ein Bedürfnis nach Fürsprache empfinden, und dabei auch eine besondere Form der Gemeinschaft pflegen: Für jemanden zu beten, bedeutet, in gewisser Weise mit diesem Menschen in Verbindung zu treten. Oft genug, ohne dass eine reale Kontaktaufnahme möglich ist. Die Fürsprache der Gottesmutter oder des heiligen Engelbert zu erbitten, bedeutet aber auch, sich den großen Glaubensgestalten verbunden zu wissen.

Gesundheit und Familie die stärksten Anliegen

Den ersten Gebetszettel hatte Erzbischof Lackner selbst eingeworfen und damit den heiligen Engelbert angerufen, für den Frieden im Heiligen Land Fürsprache zu halten. Provinzialminister P. Fritz Wenigwieser ofm formulierte eine Bitte für die Mitbrüder seiner Ordensprovinz in Österreich und Südtirol. Im Allgemeinen beten die Menschen vor allem um drei große Themenfelder: Die meisten bitten für Familienangehörige, Verwandte oder Bekannte. An solchen Gebetskärtchen spürt man eine starke Solidarität und die Sehnsucht nach Geborgenheit. Außerdem beten viele Menschen um Gesundheit oder Heilung und erhoffen sich von der Muttergottes oder dem heiligen Engelbert eine wirkmächtige Fürsprache. Aber auch die Sorge um die eigene Lebensgestaltung bzw. Zukunft findet häufig Eingang in die Gebetsbox. Erwartungsgemäß beten viele Menschen um Frieden und Gerechtigkeit: nicht nur im Heiligen Land, sondern überall in der Welt. Die Menschen erkennen offenbar, wie notwendig die Mächtigen dieser Welt den Beistand des Allmächtigen brauchen. Und der heilige Engelbert wird auch als Fürsprecher bei Gerichtsverfahren angerufen. Ein Detail soll eigens hervorgehoben sein: Viele Menschen wollen sich einfach nur bedanken und drücken diesen Dank auf ein Gebetskärtchen aus.

Gebet kennt keine Grenzen

Auffällig ist die kulturelle Vielfalt der Beter in der Franziskanerkirche Salzburg. Die meisten Gebetskärtchen sind naturgemäß in deutscher Sprache verfasst, aber es gibt jede Menge Anliegen, die auf Englisch, Italienisch, Spanisch oder Französisch abgefasst sind. Und auch Gebetskärtchen mit Schriftzeichen asiatischer Sprachen, mit arabischen oder hinduistischen Formulierungen. Und manche zeichnen einfach nur ein freundliches Bild.

Was mit den Kärtchen geschieht

Die “Prayerbox” wird regelmäßig geleert, die Kärtchen werden archiviert. Was aber wichtig ist: Die Franziskaner in Salzburg nehmen sich der Gebetsanliegen an. Das geschieht zumeist über eigene Fürbitten im Stundengebet oder bei einer Heiligen Messe oder aber auch, indem ein Franziskaner die eine oder andere Bitte mit in sein persönliches Gebet nimmt. Zu den besonderen Eigentümlichkeiten von uns Christen gehört, dass wir nicht nur miteinander, sondern auch füreinander beten. (mtz)

 

Erzbischof Franz warf am 22. Dezember 2024 das erste Gebetskärtchen in die „Prayerbox“. Foto: OFM Austria / Beda Puchinger ofm

 

Im April besuchte Engelbert-Biograph P. Gottfried Egger ofm Salzburg und vertraut ein Anliegen Fürsprache des Tiroler heiligen an. Foto: OFM Austria / Martin Barmettler ofm