Mit dem Fest „Santa Maria degli Angeli in Porciuncula“ (2. August) ist nicht nur das Patrozinium der berühmten Basilika in Assisi verbunden, sondern auch ein vollkommener Ablass. Nach dem Willen des seraphischen Vaters Franziskus kann den Ablass leicht jeder Mensch erwerben. In jeder Franziskanerkirche und in allen Pfarrkirchen.

Im Jahre 1277 bezeugte ein Mann namens Pietro Zalfani, er habe selbst als junger Mensch den heiligen Franziskus in der Portiunkula-Kirche predigen und von diesem Ablass sprechen hören: Der große Heilige soll einen Zettel in der Hand gehabt und gesagt haben: „Ich will euch alle in das Paradies schicken und verkünde euch den Ablass, den ich aus dem Mund des Papstes empfangen habe. Und ihr alle, die ihr heute gekommen seid, und alle, die jährlich an diesem Tag mit aufrichtigem und zerknirschtem Herzen kommen, erhalten einen Ablass für alle ihre Sünden.“

 

Heiligtum der Franziskaner und berühmtes Wallfahrtsziel: Santa Maria degli Angeli in Porciuncula in Assisi. Foto: OFM Austria / Martin Barmettler ofm.

Heiligtum der Franziskaner und berühmtes Wallfahrtsziel: Santa Maria degli Angeli in Porciuncula in Assisi. Foto: OFM Austria / Martin Barmettler ofm.

 

Fast acht Jahrhunderte dauerte es, bis der Ablass zu Portiunkula in jener Großzügigkeit bestätigt wurde, wie ihn Franziskus ursprünglich erbeten hatte. Gegen Ende des Marianischen Jahres 1988 wurde auf Anordnung von Papst Johannes Paul II. folgendes Dekret erlassen:

Allen, die diese Kirche in frommer Absicht besuchen, dort das Gebet des Herrn und das Glaubens-Bekenntnis aus ganzem Herzen sprechen, soll nach Erfüllung der vorgeschriebenen üblichen Bedingungen, nämlich der sakramentalen Beichte, der eucharistischen Kommunion und des Gebetes nach Meinung des Papstes, auf immer ein täglicher vollkommener Ablass gewährt werden.

Schon seit Jahrhunderten war jedoch gewährt worden, dass am Portiunkulatag selbst, dem 2. August, und am darauffolgenden Sonntag in Pfarrkirchen und Kirchen der franziskanischen Orden der Ablass gewonnen werden kann. Diese Regelung gilt bis heute. Auch für alle Franziskanerkirchen in Österreich und Südtirol.

Was man tun muss

Der in Salzburg lebende Franziskaner, P. Johannes Schneider ofm, hat einige Anmerkungen veröffentlicht, wie der Ablass heute zu verstehen und wie er zu erwirken ist. Die „Ablass-Bedingungen“ bestehen im Wesentlichen in der Bereitschaft, dass der / die Gläubige diese Gabe der Kirche persönlich und freiwillig, in rechter Absicht und im Vertrauen auf Jesus und seine Heiligen in Empfang nimmt. Weil es sich beim Ablass um etwas Innerliches handelt, sind auch die „Bedingungen“ Zeichen, die auf das Innere verweisen. Es sind die Zeichen des Glaubens an die Erlösung durch Christus, der Hoffnung auf die Fürsprache der Kirche, der Liebe zu den Mitmenschen und zu Gott:

• Die Beichte ablegen als Zeichen, Schuld einzugestehen und auszusprechen.
• Die Kommunion empfangen als Zeichen der Gemeinschaft mit Christus, den Heiligen und der Kirche.
• Das Gebet für den Papst als Zeichen des Vertrauens, dass Christus ihm die Schlüssel zum Binden und Lösen anvertraut hat (vgl. Mt 16,19).
• Das gute Werk als Zeichen, die Liebe, die geschenkt wird, weiterschenken zu wollen.

Die ganze Erläuterung von P. Johannes Schneider können Sie hier herunterladen: Zum Portiunkula-Ablass JS. Der in Wien lebende Franziskaner, P. Elias van Haaren ofm, hat in einem Kurzvideo dargelegt, wie der Ablass zu verstehen ist: „Gott ist der Glaser, der den menschlichen Scherbenhaufen wieder zusammenfügt“, sagt P. Elias in der Erklärung, die auch auf dem YouTube-Kanal der Erzdiözese Wien zu sehen ist.

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