Wie lässt sich die Spiritualität des heiligen Franz von Assisi heute leben? Dieser Frage geht der in Graz wirkende Franziskaner P. Willibald Hopfgartner ofm in seinem neuen Buch „Wo Liebe ist, gibt es keine Furcht“ nach. Der Band mit dem Untertitel „Franziskanische Betrachtungen“ ist im Tyrolia Verlag erschienen und versammelt auf 136 Seiten kurze geistliche Zugänge zu zentralen Themen des Seraphischen Vaters Franziskus.
Hopfgartner nimmt Franziskus nicht nur als faszinierende Gestalt der Kirchengeschichte in den Blick. Er fragt nach der Kraft seines Glaubens für Menschen, die heute zwischen Unsicherheit, Leistungsdruck, gesellschaftlichen Spannungen und der Sehnsucht nach einem tragfähigen Leben stehen. Gottes- und Nächstenliebe, Armut und Gebet werden dabei nicht als historische Stichworte behandelt, sondern als konkrete Herausforderungen an das eigene Denken und Handeln.
Franziskus als geistliche Herausforderung
„Dafür sorgen, dass in der Kirche wieder Christus geliebt wird, das ist die eigentliche Sendung des Franziskus für seine Zeit, und sie bleibt es bis heute“: Dieses Wort Hopfgartners gibt die Grundrichtung des Buches vor.
Im Mittelpunkt steht eine christusbezogene Spiritualität, die nicht bei der Bewunderung des Heiligen stehen bleibt. Franziskus wird vielmehr zum Wegweiser für einen Glauben, der aus der Begegnung mit Christus lebt und sich in einer neuen Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Schöpfung bewährt.
Schon der Buchtitel greift ein biblisches Grundmotiv auf: Wo Liebe wächst, verliert die Angst ihre beherrschende Macht. Damit verbindet der Autor eine franziskanische Perspektive auf die Gegenwart. Einfachheit wird nicht zur Weltflucht, Armut nicht zur romantischen Pose und Gebet nicht zum Rückzug. Sie eröffnen vielmehr einen Raum, in dem Freiheit, Aufmerksamkeit und Verantwortung neu eingeübt werden können.
Literatur, Philosophie und Spiritualität im Gespräch
Charakteristisch für Hopfgartners Zugang ist die Verbindung franziskanischer Quellen mit zeitgenössischer Literatur und Spiritualität. Als Germanist, Philosoph und Theologe liest er die Überlieferung mit einem wachen Blick für Sprache, Bilder und menschliche Erfahrung. Die einzelnen Betrachtungen wollen deshalb nicht nur informieren, sondern zum eigenen Weiterdenken und zum geistlichen Nachvollzug anregen.
Diese Verbindung von Glaube und Kultur prägt auch Hopfgartners Vortragsarbeit. Im Jubiläumsjahr zum 800. Todestag des heiligen Franziskus sprach er etwa in Salzburg über Armut und Schönheit als Wurzeln einer menschenfreundlichen Kultur. Das neue Buch führt diesen Denkweg in konzentrierter Form weiter: franziskanisch im Ausgangspunkt, offen für die Fragen der Zeit und auf Christus als Mitte des Glaubens ausgerichtet.
Ein erfahrener Vermittler franziskanischer Spiritualität
Willibald Hopfgartner ofm wurde 1946 in Lienz geboren und ist 1972 in die damals bestehende Südtiroler Ordensprovinz des Franziskanerordens eingetreten. 1975 wurde er zum Priester geweiht. Seine franziskanische und theologische Ausbildung führte ihn nach Assisi, Straßburg und München. 35 Jahre lang unterrichtete er Deutsch und Philosophie am Franziskanergymnasium Bozen. Von 1990 bis 1996 war er Provinzialminister der Franziskaner in Südtirol. Darüber hinaus war er in der Jugendseelsorge und Priesterfortbildung tätig und lehrte Philosophie bei den Theologischen Kursen der Diözese Bozen-Brixen. Seit 2011 begleitet er in Graz junge Franziskaner in ihrer Ausbildung. Er veröffentlichte unter anderem zu Literatur, religiöser Kunst und Spiritualität. (Red.)
Buchinformation
- Willibald Hopfgartner: Wo Liebe ist, gibt es keine Furcht. Franziskanische Betrachtungen
- 136 Seiten, 13 farbige und 2 Schwarz-Weiß-Abbildungen, 13,5 x 20,5 cm, gebunden
- Tyrolia Verlag, Innsbruck – Wien 2026
- ISBN 978-3-7022-4397-5
- Preis: 20 Euro
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