Franz von Assisi gehört zu den Gestalten der Kirchengeschichte, deren Ausstrahlung weit über die Grenzen des Christentums hinausreicht. Anlässlich seines 800. Todestages lädt das Symposium „Begegnung leben. Franz von Assisi für die Welt heute“ am Donnerstag, 8. Oktober, und Freitag, 9. Oktober 2026, dazu ein, die Aktualität seines Lebenszeugnisses neu zu entdecken. Den Auftakt macht der bekannte Religionssoziologe Hans Joas.
Im Mittelpunkt steht ein Glaube, der nicht in Abgrenzung, sondern in Begegnung Gestalt gewinnt. Gerade angesichts gesellschaftlicher Polarisierungen, ökologischer Krisen und der Suche nach neuen Formen des Zusammenlebens eröffnet die franziskanische Spiritualität überraschend aktuelle Perspektiven. Sie verbindet Kontemplation und gesellschaftliche Verantwortung, Einfachheit und Weltzugewandtheit, Demut und den Mut zu Veränderung.
Hans Joas eröffnet mit einer Frage an den Universalismus
Den Auftakt bildet am Donnerstagabend der renommierte Sozialphilosoph und Religionssoziologe Hans Joas. Unter dem Titel „Universalismus. Weltherrschaft und Menschheitsethos“ fragt er nach den Grundlagen eines Denkens, das alle Menschen als Teil einer gemeinsamen Menschheit in den Blick nimmt. Joas ist Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor für Religionssoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und lehrt im Committee on Social Thought der University of Chicago.
Der Eröffnungsvortrag beginnt um 18.30 Uhr im Meerscheinschlössl, Mozartgasse 3. Fakultätsdekanin Katharina Pyschny und Provinzvikar P. Andreas Holl OFM begrüßen die Gäste; Hochschulseelsorger Alois Kölbl moderiert die anschließende Diskussion.
Franziskanische Perspektiven auf Kirche, Gesellschaft und Schöpfung
Am Freitag wird das Symposium ab 9 Uhr im Franziskussaal des Grazer Franziskanerklosters fortgesetzt. P. Andreas Holl OFM und Katharina Pyschny eröffnen den Tag. P. Willibald Hopfgartner OFM führt in das Thema ein; Agnes Pfefferkorn und Jan Mooswalder übernehmen die Moderation.
Die Vorträge und Workshops entfalten ein breites Spektrum. Die Kirchenhistorikerin Sr. Anna Elisabeth Rifeser OSF untersucht die Begegnungserfahrungen des Franziskus aus kirchenhistorischer und resonanztheoretischer Sicht. Der Moraltheologe Martin Lintner fragt nach dem überraschenden Fehlen der Tiere im Sonnengesang. Roman Werner widmet sich Franziskus und der Mitwelt, Michaela Sohn-Kronthaler den Impulsen des Heiligen für Ordensgründerinnen und dem Verhältnis des Franziskus zu den Frauen. P. Willibald Hopfgartner OFM erschließt den Sonnengesang als Sprachereignis.
Armut, Verbundenheit und Wege zurück ins Leben
Am Nachmittag nimmt Wolfgang Palaver die apokalyptischen Erfahrungen der Gegenwart aus franziskanischer Perspektive in den Blick. Bernd Hillebrand spricht über „Paradoxe Armut“ und fragt, wie franziskanische Geschwisterlichkeit soziale Verbundenheit stärken kann. In parallelen Workshops beleuchtet Armin Kohnle die Wahrnehmung des Franziskus bei Luther und in der Reformation; Monika Prettenthaler verbindet Franziskus, Schöpfung und schulisches Lernen.
Einen unmittelbar lebenspraktischen Akzent setzt Br. Beda Buchinger ofm aus Salzburg. Unter dem Titel „Zurück ins Leben finden“ berichtet er von Erfahrungen an der Klosterpforte. Dort wird Begegnung nicht nur diskutiert, sondern im Alltag mit Menschen konkret, die Unterstützung, Orientierung oder schlicht ein offenes Ohr suchen.
Musik als Sprache der franziskanischen Inspiration
Den inhaltlichen Abschluss gestaltet Harald Haslmayr um 17.15 Uhr mit einem Musikvortrag unter dem Titel „Bruder Sonne, Schwester Mond…“. Er zeichnet nach, wie der heilige Franziskus Komponistinnen und Komponisten inspiriert hat. Um 18.15 Uhr endet das Symposium mit einer Zusammenfassung und einer Agape, die noch einmal Zeit für persönliche Begegnungen eröffnet.
Teil des weltweiten Franziskus-Jubiläums
Das Grazer Symposium steht im größeren Rahmen des 800. Jahrestages des Heimgangs des heiligen Franziskus. Das Symposium greift diesen Impuls wissenschaftlich, geistlich und lebensnah auf.
Termine und Anmeldung
- Eröffnung: Donnerstag, 8. Oktober 2026, 18.30 Uhr, Meerscheinschlössl, Mozartgasse 3, Graz
- Symposiumstag: Freitag, 9. Oktober 2026, 9.00 bis 18.15 Uhr, Franziskussaal, Franziskanerplatz 14, 1. Stock, Graz
- Anmeldung bis 30. September 2026 per E-Mail an birgit.roth@uni-graz.at oder telefonisch unter +43 316 380 3150
Das Symposium wird von Vertretern der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz und der Franziskaner in Österreich und Südtirol organisiert und von kirchlichen, wissenschaftlichen und öffentlichen Partnern unterstützt.
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