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Die ersten Franziskaner |
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Noch zu seinen Lebzeiten sandte Franziskus Brüder nach Deutschland. Im Jahr 1219 machte sich eine erste Gruppe auf den Weg. Theoretisch könnte das heutige Österreich von dieser Aussendung berührt worden sein. Gesichert ist das Faktum, wonach in den frühen 20er Jahren Franziskanerbrüder durch Tirol zogen und den Salzburger Bischof aufsuchten. Noch vor 1230 erhielten die Franziskaner - einer alten Überlieferung folgend - von Herzog Leopold VI. eine Berufung nach Wien.Ein Bauplatz für Kirche und Kloster wurde nahe der mittelalterlichen Ringmauer zur Verfügung gestellt. Das hier errichtete Gotteshaus wurde im Laufe der Jahrhunderte öfters umgebaut. Doch steht an dieser Stelle bis heute eine Franziskanerkirche, nämlich die Minoritenkirche im ersten Wiener Bezirk.
Die Minderbrüder des 13. Jahrhunderts standen bei den Menschen in hohem Ansehen. Sie lebten eine dem Evangelium entsprechende Armut, waren theologisch gebildet und gern gesuchte Prediger und Beichtväter. Einer von den Brüdern brachte es sogar zu einer Stelle am königlichen Hof: Heinrich von Isny stand als Diplomat im Dienste Rudolfs I. (bgw) |
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Johannes Kapistran |
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Zwei Erscheinungen des heiligen Franziskus waren für den 1386 geborenen Richter Johannes Kapistran der Grund, mit fast 30 Jahren in den Franziskanerorden einzutreten. Hier wurde er Mitglied der sogenannten "Observanz", einer reformorientierten Richtung im Franziskanerorden, die das ursprüngliche Armutsideal stark betonte. Johannes Kapistran, Bernhardin von Siena und Jakobus von der Mark waren die ersten großen Persönlichkeiten dieser Richtung, die sich 1517 als ein eigenständiger Ordenszweig von der Gruppe der Konventualen trennte. Auf das Ansuchen des Wiener Königshofes von Friedrich III. hin, "die Klöster der Konventualen zu reformieren", kam Johannes 1451 nach Wien. Hier wird er festlich begrüßt. Von seinen Predigten, die er täglich hält und die vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt werden, sind die Leute beeindruckt. Es geschehen sogar Krankenheilungen! Als erste Niederlassung der Franziskaner-Observanz gründet Johannes das Kloster St. Theobald. Johannes setzt seine Reise fort und ruft Gemeinschaften in Mähren, Böhmen, Polen und Steiermark ins Leben. Alle diese Häuser werden 1452 zu einer eigenständigen Ordensprovinz zusammengefaßt. Nationale Spannungen führen schon bald zur Spaltung der Provinz in drei eigenständige Einheiten, darunter die bis heute in Ostösterreich bestehende "Provincia Sancti Bernardini Senensis."
Johannes Kapistran starb 1456 in Ilok a. d. Donau. Zuvor hatte er noch einen großen Beitrag zur Abwehr der Türken vor Belgrad geleistet. (bgw) |
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Kaiser Joseph II. und die Franziskaner |
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In der Mitte des 18. Jahrhunderts gehörten den beiden österreichischen Provinzen der Franziskanerobservanz etwa 1400 Patres und Fratres an. Als nach dem Tod der franziskanerfreundlichen Kaiserin Maria Theresia - sie wohnte gern Gottesdiensten in der Wiener Klosterkirche bei - ihr Sohn Joseph II. im Jahr 1780 die Regierungsgeschäfte übernahm, setzte es für die Kirche etliche Reformen. Joseph II. führte für die beiden Provinzen einen "numerus fixus" ein, wonach ein bestimmte Mitgliedszahl nicht überschritten werden darf. Etliche Klöster, die keine Pfarrseelsorge leisteten, wurden kurzerhand aufgelöst. Darunter das Tiroler Hauptkloster in Innsbruck. Neun von den 18 Klöstern der Tiroler Provinz wurden anderen Provinzen angegliedert. Die Wiener Provinz wurde in eine innerösterreichische und eine niederösterreichische Provinz zweigeteil. Die Franziskaner in Österreich wurden immer weniger. Und die Gemeinschaften vergreisten zusehends, da erst dann wieder junge Brüder in den Orden aufgenommen werden durften, wenn der vom Staat festgelegte "numerus fixus" erreicht war.
Da sich die steirischen und niederösterreichischen Klöster bis ins 19. Jahrhundert nicht von den restriktiven Maßnahmen Josephs II. erholen konnten und knapp vor dem Aussterben standen, wurden erstere an die ungarischen, letztere an die Tiroler Franziskaner angeschlossen. Die Tiroler Provinz wuchs im 19. Jahrhundert zu einer Größe von 27 Häusern heran. (bgw) |
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Entstehung der westösterreichischen Franziskanerprovinz |
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Der Gedanke zur Gründung einer Tiroler Provinz des Franziskanerordens kam von Erzherzog Ferdinand II. (*1529). Er dachte an eine Vereinigung der Franziskanerklöster verschiedener Provinzzugehörigkeit in seinem Herrschaftsbereich. Dieser erstreckte sich über Groß-Tirol und Vorderösterreich (Baden-Würtemberg).
Durch ein Dekret des Papstes Gregor XIII. vom 16. April 1580 – veranlaßt vom Generalminister der Franziskaner – wurde die "Tiroler Franziskanerprovinz" errichtet. Zu dieser gehörten nun die Franziskanerklöster in Bozen (gegründet 1237) und Schwaz (gegr. 1507) - beide bis dahin Klöster der Österreichischen Observantenprovinz; außerdem Brixen (gegr. 1245), Freiburg im Breisgau (gegr. 1246) und Innsbruck (gegr. 1564) - bis dahin zur Oberdeutschen Observantenprovinz gehörend. Die "Tiroler Franziskanerprovinz" erwählte 1627 den heiligen Leopold von Österreich zu ihrem Provinzpatron.
Durch die Jahrhunderte konnte die Provinz auf ihrem Gebiet und darüber hinaus wachsen ( Salzburg, Oberösterreich, Kärnten, Steiermark) und auf mehreren Kontinenten missionarisch wirken. Heute leben und wirken die Brüder der Tiroler Franziskanerprovinz in den Bundesländern Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Kärnten sowie in Bolivien. (P. Peter-Paul Mayer) |
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