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Franziskus: Sein Leben von 1182 bis 1211 |
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Franziskus wurde im Jahr 1182 (1181) als Sohn des reichen Kaufherrn Pietro Bernardone und seiner Frau Pica in Assisi in Italien geboren.
Franziskus hatte Geschwister. Sein Vater war auch im politischen Leben der Stadt von Bedeutung. So stand dem jungen Mann die Welt offen. Er gab sich auch anfangs ganz dem üppigen Leben seiner Umgebung hin. Ob seine Eltern so schlecht waren, wie sie in den ersten Biographien (Thomas von Celano, Julian von Speyer) erscheinen, ist sehr fraglich.
Eines Tages bricht Gott in dieses Leben eines Durchschnittschristen ein. Er ruft ihn zu einem neuen, anderen Leben. Franziskus bekehrt sich, aber das Ziel bleibt ihm verborgen. Ein erster Abschnitt dieser Entwicklung ist die Enteignung vor dem Bischof von Assisi, der Bruch mit der Familie (1206/1207). Nach langem Ringen und Suchen, Horchen und Beten erkannte er das "Leben nach dem Evangelium" als Ziel seines Lebens. Allmählich schlossen sich ihm gleichgesinnte Männer an, um seine Lebensweise mit ihm zu teilen. Die Entstehung dieser Gemeinschaft um Franziskus und ihr erster Werdegang waren ganz von der Lebensart und Gestalt des Heiligen selber bedingt, der nicht sofort als Stifter eines Ordens auftrat. Die franziskanische Brüderschaft entstand nicht aus einem Plan oder einer Idee heraus, sondern wuchs um die Person des heiligen Franziskus, der durch sein Ideal und Leben viele aufrüttelte. Als Grundlage des Lebens galt das Evangelium, so wie er es in seinem Leben verkörperte.
Als die Zahl der Brüder mit Franziskus auf zwölf angewachsen war, schrieb er ihnen in einfachen Worten eine Lebensregel. Diese Regel - auch Urregel genannt -, die als solche nicht mehr erhalten ist, wurde, wenn auch nach anfänglichem Zögern, durch Innozenz III. 1210 (oder 1209) mündlich approbiert. Auch erhielten die Brüder vom Papst die Erlaubnis zur einfachen Bußpredigt. Durch die päpstliche Bestätigung der Regel war die Gemeinschaft um Franziskus zu einem Orden in der Kirche geworden. Doch war dieser Orden etwas ganz Neues in der Kirche; er war kein Klosterorden im bisher üblichen Sinn, sondern auf personaler Bindung aufgebaut. Das formgebende Prinzip dieser Gemeinschaft war weniger die Regel, wie etwa im Orden des heiligen Benedikt, sondern die Gestalt des heiligen Franziskus.
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Franziskus: Sein Leben von 1212 bis 1222 |
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Männer und Frauen folgen sehr bald dem Franziskus.
Angetan von Franziskus und ihren Begegnungen mit ihm, verläßt die neunzehnjärige Klara Offreduccio die Favarone (geb. 1193) im Geheimen ihre Familie, um Franziskus nachfolgend das Leben ganz Christus zu schenken. Bald entwickelt sich eine Schwesterngemeinschaft, die in San Damiano ein Leben in Armut, Gebet und Klausur führt. Klara ist die erste Frau in der Kirchengeschichte, die eine eigene Ordensregel für ihre Schwesterngemeinschaft verfaßt und vom Papst bestätigt bekommt.
Mit dem Wachsen der Bruderschaft wächst auch die Regel. Gute und schlechte Erfahrungen finden ihren Niederschlag. Neue Zielsetzungen werden aufgenommen, frühere korrigiert. Das alles läßt sich an der sogenannten "nichtbullierten Regel" von 1221 ablesen, die uns überliefert ist. An dieser Regel ist zu erfahren von der Einführung der Minister und der Einteilung des Ordens in Provinzen, von den ersten Versuchen zur Mission unter den nichtchristlichen Völkern. An solchen Versuchen hatte sich Franziskus auch selbst zu beteiligen gesucht, als er 1212 nach Syrien und 1213-14 über Spanien nach Marokko ziehen wollte, aber durch widrige Umstände jeweils zur Rückkehr gezwungen war. Erst 1219 glückte ihm die Reise in den Orient, wo er vor dem Sultan von Ägypten, Melek-el Kamel, predigte, aber das gesuchte Martyrium nicht fand. Gewisse Unruhen im Orden zwangen Franziskus sehr bald zur Rückkehr. Seine beiden Stellvertreter in Italien hatten versucht Lebensgewohnheiten einzuführen, die dem strengen monastischen Stil mehr entsprachen. Auch machten sich gewisse zentrifugale Kräfte bemerkbar. In dieser Situation suchte und fand Franziskus die Hilfe der römischen Kurei: der Orden bekam einen Kardinalprotektor; das Noviziat wurde vorgeschrieben; die Kirche nimmt das Ordenskleid der Brüder in Schutz und will es für sie reserviert wissen; die Brüder dürfen nicht außerhalb des Gehorsams durch die Welt ziehen;
Nach dieser Konsolidierung übertrug Franziskus sein Amt dem Bruder Petrus Cattani, dann dem Bruder Elias. Dies hinderte ihn aber nicht, auch weiterhin als höchster Oberer den Orden zu regieren.
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Franziskus: Sein Leben von 1223 bis zum Tod |
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Innere Krisen und Spannungen im Orden kennzeichnen die letzten Lebensjahre des Franziskus.
Eine Hauptarbeit galt nun der endgültigen Redaktion der Regel, die Franziskus 1223 beendete, so daß Honorius II. sie am 29. November 1223 bestätigen konnte. Dabei war es das Hauptanliegen des Heiligen, daß die Regel mehr ein geistliches Dokument sein sollte, das dem Gewissen der Brüder den richtigen Weg wies, denn eine Sammlung von Rechtsvorschriften. Weitere Versuche, die Regel zu ergänzen, waren mit der päpstlichen Approbierung unmöglich gemacht.
Die letzten Lebensjahre brachten Franziskus ein Übermaß körperlicher und seelischer Leiden. Fast völlige Blindheit, schwere Magen-, Leber- und Milzkrankheit, und wahrscheinlich die Malaria, verursachte ihm unerträgliche Qualen. Hinzu kam das Leid um so manche Brüder - ihre Zahl betrug schon 1221 einige Tausend -, die ihrer Berufung nicht treu blieben oder einen anderen Weg einschlagen wollten und sich um das Band des Gehorsams und der radikalen Armut nicht kümmerten. Wie aus dem Testament des heiligen Franziskus zu ersehen ist, anerkennt er diese Entwicklung. Sein Anliegen ist jetzt nur, daß diese Entwicklung dem Geist der Regel angepaßt wird, die ja die Grundlage des Lebens der Brüder ist.
Waren die letzten Lebensjahre für Franziskus körperlich und seelisch ein Kreuzweg, er zerbrach nicht daran. Er wuchs in jene Gleichförmigkeit mit seinem gekreuzigten Herrn hinein, die sich dann in den Stigmata sichtbaren Ausdruck verschaffte (um den 14. September 1224), aber seine Schmerzen noch beträchtlich vergrößerte. In all diesem Leid reifte Franziskus zur Vollendung. Und gerade in der Zeit größer Qualen dichtete er 1225/26 den Sonnengesang, der gewiß bedeutsam ist für das Naturgefühl des Heiligen, dessen eigentliche Bedeutung aber in seinem religiösen Grundcharakter liegt: er ist das Lob- und Preislied an Gott den Herrn, zu dem Franziskus alle Kreatur einlädt.
Singend begrüßte der Heilige den Tod. Er starb am Abend des 3. Oktober 1226 bei der Portiunkulakapelle, dort wo er einst das Leben in Buße begonnen hatte. Am folgenden Tag wurde er in dem Kirchlein San Giorgio bei Assisi beigesetzt. Nicht ganz zwei Jahre später, am 16. Juli 1228, wurde er vom Papst Gregor IX. heiliggesprochen und 1230 in der zu seiner Ehre errichteten Grabeskirche beigesetzt.
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Franziskus |
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Sind nicht die Wurzeln eines jeden Baumes ein dunkles Spiegelbild der Blätterkrone?
Sind nicht die Larven und Mikroben tief in der Erde Freunde des Baumes, wie Schmetterling und Vogel im Geäst?
Wenn du mein Lächeln siehst und meinen Glauben, erschrecke nicht vor ihrem dunklen Spiegelbild in mir.
Das Drängen, Sehnen, Suchen, das Leiden in der Tiefe, geben den Blättern und dem Lächeln erst die Kraft.
(Claus Scheifele, 1990-2002)
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